Vorwort

„Found Places“ - das sind Orte, die Geschichte vermitteln. Interessante und spannende Erzählungen gibt es über viele Plätze und zahlreiche davon finden sich vor der eigenen Haustür. Früher waren es vor allem Lehrer und Pastoren, die sich mit der Heimatgeschichte ...


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Das alte Rittergut zu Schwachhausen

Nicht mal jedem Taxifahrer im Landkreis ist das Dorf Schwachhausen bekannt.
Dennoch ist es alle Male wert sich intensiv damit zu beschäftigen. Schwachhausen (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Bremer Stadtteil) liegt im Flotwedel und zählt mit der Nachbarortschaft Offensen, als Ortsteil, zur Gemeinde Wienhausen....


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Die Kesselflickerkuhle bei Langlingen...

Kessel waren früher nicht nur Teekessel, sondern auch Töpfe und andere zum Kochen verwendete Gefäße. Da man in Kesseln/Töpfen Essen zubereitete, stellten sie einen elementaren Gegenstand dar, der unbedingt instand gehalten werden musste!

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Jagdschloss in Wienhausen...

Es war einmal und ist nicht mehr - ein ausgestopfter Teddybär.

Dieser Spruch könnte ebenso für das alte Jagdschloss in Wienhausen gelten, denn vom besagten herrschaftlichen Gebäude fehlt heute jede Spur. Wo hat es sich einst befunden? Was hatte es überhaupt damit auf sich? Nur noch einige Straßennamen erinnern an das...

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Pest in Wienhausen: Elendwiese und Schwarzer Hamm

Es sind Geschichten wie diese, die mich immer wieder auf's Neue begeistern. Es geht um eine fürchterliche Katastrophe, die sich schon vor knapp 700 Jahren ereignete: die Pest.  Aber der Reihe nach. 

Am alljährlichen Osterfeuer sprach mich der Vater eines guten Freundes an. Er erzählte mir von einer alten Flurbezeichnung in der Nähe des Klosters Wienhausen. Ich hatte von der Geschichte um die "Elendwiese" bis dahin noch nichts gehört - obwohl ich die Gegend kenne wie meine Westentasche. Der Name soll aus der Zeit der Pest stammen - ich fing an zu recherchieren und entdeckte interessante Zusammenhänge dieser Zeit im Bereich des Ortes. 

Es ist das Jahr 1350. Im Wienhäuser Kloster hat die Äbtissin Luitgard III, Gräfin von Delmenhorst die Leitung inne. Es begab sich, dass in ihre Amtszeit eine der schwersten Pestepidemien fiel, die jemals im Landkreis wüteten. Die Menschen starben einem zeitgenössischen Bericht zufolge, ohne die heiligen Sakramente zu empfangen. Schon Kinder wurden vom "Schwarzen Tod" ungetauft dahingerafft. An manchen Tagen wurden von Morgens bis Abends Leichen begraben. Der Pest konnte man nicht entfliehen - ob reich oder arm - die Krankheit machte keinen Unterschied. Ganze Landstriche vereinsamten, Felder wurden nicht mehr bestellt und ganze Familien starben aus. 

Aus dieser Zeit soll der Flurname "Elendwiese" stammen. Bereits Friedrich Barenscheer vermerkt diesen Namen in seiner Flurnamensammlung für den Landkreis Celle. Dort soll ein Haus für die Pestkranken gestanden haben, heißt es. Eine genaue Ortsangabe findet sich leider nicht. Jedoch konnte die offizielle Flurnamensammlung im Celler Stadtarchiv helfen, den Ort zu lokalisieren.

 

Bild: Elendwiese (links), Kloster (Mitte) und Schwarzer Hamm (rechts) bei / in Wienhausen. 

Quelle: Google Earth.

Dank Herrn Geier aus dem Celler Stadtarchiv erhielt ich die Flurnamensammlung für Wienhausen sehr kurzfristig. Darin ist die Elendwiese unter der Nummer 3a verzeichnet. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zur einer auffälligen Kurve des Mühlenkanals, welche bereits Jahrhunderte in dieser Form überdauert hat.

 Bild: Elendwiese bei Wienhausen.
Quelle: Flurnamensammlung Wienhausen, Stadtarchiv Celle.

 In der Erklärung der Nummerierung heißt es zur 3a:
„Dort wurde 1350 ein Haus erbaut in welches man die Pestkranken brachte.“

 Von der namentlichen Entstehung macht die Bezeichnung „Elendwiese“ natürlich schon mal Sinn - die Pest war DAS Elend, was die Menschheit zu ihrer Zeit traf, wie nie zuvor. Sie breitete sich auf unterschiedlichen Wegen aus. Heute kennen wir die Übertragungswege der Lungen- und der Beulenpest. Einst waren die Menschen schlicht damit überfordert Ursachen und Wirkungen richtig zu identifizieren. Auch in Wienhausen wütete die Pest - sie hinterließ uns jedoch nur wenige Spuren. Neben der Elendwiese gibt es weitere Hinweise auf die Zeit der Pest in Wienhausen.

Es war üblich, dass man glaubte die Pestkranker sei eine Strafe Gottes. Um wieder zurück in den Schutzbereich des Herrn zu gelangen wurden vielerorts hohe Geldsummen an die Kirche gestiftet. Auch viele Kirchenneubauten fallen in diese Zeit. Viele dieser Gotteshäuser erhielten die Namen der Schutzheiligen Sebastian oder Fabian.

So geschah es auch in Wienhausen. Die Äbtissin Luitgard III ließ eine Kapelle zu Ehren des heiligen Fabian und Sebastian erbauen. Diese befand sich dort wo heute der Gemeindefriedhof liegt. Bereits nach der Grundsteinlegung soll die Pest im Ort nachgelassen haben. In freudigen Prozessionen brachte man nun ungetaufte Kinder in die Kapelle um sie taufen zu lassen. Der Hildesheimer Bischoff weihte die Kapelle ein und sie wurde von Kardinälen und anderen Bischöfen reich beschenkt. Erstmals besaß diese Kapelle einen Eingang für die Jungfrauen aus dem Kloster und die Bewohner Wienhausens.  Für eine Zeit in der die katholische Kirche eine strenge gesellschaftliche Trennung vorlebte, war dies etwas Außergewöhnliches.

Und dennoch verließ man sich wohl nicht nur auf die Barmherzigkeit Gottes. Auf einer Wiese im Sunder soll daher in dieser Zeit ein Pesthaus gebaut worden sein. Dort brachte man die Infizierten der Pest hin. Der Name Elendwiese deutet noch darauf hin, denn sicherlich verstarben viele der Kranken innerhalb kurzer Zeit.

 

Bild: Elendwiese bei Wienhausen.
Quelle: Google Earth, Kurhannoversche Landesaufnahme 1780.

Die Lage der Elendwiese stimmt ziemlich gut mit der damaligen Auffassung zur Heilung der Pest überein. Einst glaubte man das Wasser hätte eine heilende Kraft. Weiter nahm man an diese Kraft wäre in der Lage die Pest aus dem infizierten Körper herauszuziehen. Pest- und Siechenhäuser wurden daher regelmäßig in der Nähe von Flussläufen und Gewässern erbaut. So beispielsweise auch an den Ratsteichen bei Celle. Die heutige Hüttenstraße nördlich der ehemaligen Ratsteiche trägt ihren Namen aus der Zeit in der dort die Pesthütten der Stadt Celle standen. Auch hier wurde dem Wasser eine heilende Wirkung zugeschrieben.